Clara Clasen im Interview

Was gibt es Schöneres, als ohne Erwartungen eine Veranstaltung zu besuchen und plötzlich mit offenem Mund und Gänsehaut auf die Bühne zu starren. Das ist mir beim Besuch des Kulturabends der Universität Bonn passiert, bei dem ich Clara Clasen zum ersten Mal live erleben konnte. Die Singer-Songwriterin und gebürtige Bonnerin hat alles, was eine Künstlerin braucht: Eine starke Stimme, einen Koffer voller eigener Songs und die Fähigkeit, alleine mit ihrer Gitarre einen Saal für sich einzunehmen.

Ihre Kreativität lebt sie auch in den Videos aus, die man auf ihrem YouTube-Kanal „Sound About Sunday“ bestaunen kann. Im März 2015 startete sie das Projekt und beschloss, jede Woche einen neuen, selbstgeschriebenen Song hochzustellen. Ein ehrgeiziges Unterfangen, das sie tatsächlich durchgezogen hat, Unistress und Grippe zum Trotz. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Clara macht in ihren Videos Jahrmärkte unsicher, wird zur glitzernden Klischee-Blondine und Luftballonmörderin. Sie randaliert in mit Graffiti beschmierten Häusern, lässt sich mit Farbbeuteln bewerfen und die Welt rückwärtslaufen.

Foto © Christian Strobl

Ich traf Clara in der Nähe des Bonner Rheinufers, wo wir uns zum Interview auf eine kleine Mauer setzten. Schnell wird klar, dass Clara weit entfernt von Starallüren ist. Sie studiert derzeit Musikwissenschaften und Philosophie an der Universität Bonn und ist insgeheim froh, dass sie noch nicht bekannt genug ist, um auf der Straße angesprochen zu werden. Auch vor verrückten Fanaktionen blieb sie bisher weitgehend verschont. Das einzige kuriose Ereignis stammt noch aus ihrer Bandzeit:

Es hat mal jemand einen BH auf die Bühne geworfen. Das fand ich schon etwas komisch. Aber der war wahrscheinlich nicht für mich gedacht.

Sie hat bereits mit neun Jahren erste Songs geschrieben. „Andere haben in meinem Alter mit Barbies gespielt und ich hab über die große Liebe gesungen, von der ich natürlich noch keine Ahnung hatte“, meint sie amüsiert. Mit Dreizehn brachte sie sich selber das Gitarrespielen bei und sattelte auf Englisch um. „Die Formulierungen sind griffiger, man kann sich weniger umständlich ausdrücken“, findet sie. Ihr Auslandsjahr in Amerika, das sie auf eine Farm in Massachusetts geführt hat, verstärkte die Liebe zur englischen Sprache.

Auf die Frage, wie sie auf die Idee mit „Sound About Sunday“ gekommen ist, gesteht Clara, dass sie manchmal eine Deadline braucht. „Jetzt habe ich eine Basis von Songs, mit denen ich auf die Bühne gehen kann“, erklärt sie. Natürlich sei das auch mit Stress verbunden gewesen.

Die Songs optisch in Szene zu setzen war schwieriger, als sie zu schreiben. Ohne die Hilfe von meinem Freund und meiner besten Freundin hätte ich das mit dem Dreh nicht geschafft.

Ihr Lieblingssong ist „Cup of Hemlock“, den meisten Spaß hat aber das Video zu „Take It Away“ gemacht. Darin posiert sie melancholisch in einer gefüllten Badewanne, was einfacher aussieht, als es ist.

Es war doch auf die Dauer etwas kalt in den nassen Klamotten. Aber es war witzig, ich würd’s wieder tun.

One Song Each Week, pt. 52: „Enough“

Back in school they would ask us: „Could it happen again?“, We said „no“, ‚cause we couldn’t imagine back then how a person who knew anything about the past could be stupid enough to repeat it so fast. How can we who have everything fear those that don’t?

Die Lyrics ihrer Songs basieren meist auf persönlichen Erfahrungen und Gedanken. „Enough“, der letzte Beitrag von „Sound About Sunday“, behandelt darüber hinaus ein aktuelles soziales Thema, die Flüchtlingskrise. „Es kann ja nicht immer um die eigene Gefühlswelt gehen, auch wenn das einem am nächsten ist. Man darf nicht vergessen, dass man nicht allein auf der Welt ist.“ Clara ist also durchaus eine Künstlerin, die Statements setzt.

Sound About Sunday

Hello there! This is Sound About Sunday, a magical place with puppies and rainbows. Also, there’ll be a new original song of mine each week ( – on sunday, du…

Und wie geht es mit ihr weiter, nun, wo der Sonntagsmusikmarathon vorbei ist?

Ich arbeite gerade an neuen Songs. Viele davon wirken eher wütend – Musik ist eben ein gutes Ventil, um solche Gefühle rauszulassen. Aber es sind auch ruhigere und Feelgood-Songs dabei.

Demnächst steht Clara zudem beim Viertelfinale des Bonner BandcontestsToys2Masters“ auf der Bühne. Sie hofft, dort wieder auf tolle Musiker zu treffen, mit denen sie zusammenarbeiten kann.

Das ist für mich Erfolg, wenn sich sowas ergibt. Man bekommt unheimlich viel Input.

Wir können also gespannt sein, was uns noch erwartet.

CLARA CLASEN FOLGEN
► Clara auf Facebook https://www.facebook.com/soundaboutsunday
► Clara auf YouTube https://www.youtube.com/channel/soundaboutsunday

Titelbild © Thomas Kölsch

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